INTERVIEW

AquaDom - wie ein Dampfer auf dem Trockendock

Nach über 15 Jahren im Betrieb wurde das weltweit größte Zylinderaquarium im DomAquarée generalüberholt. 1.500 tropische Fische kamen vorübergehend in ein neues Quartier.

Das Aquarium wurde trockengelegt, damit die Modernisierungsmaßnamen durchgeführt werden konnten. Die Fische zogen um in die Aufzucht- und Pflegestation des Aquariums im Untergeschoss des DomAquarée. Alles lief nach Plan – und dann kam Corona. Über die besonderen Herausforderungen bei den Arbeiten sprachen wir mit dem Projektleiter des zuständigen Ingenieurbüros Abraham, Diplom-Ingenieur Markus Ghazi.

AquaDom-mit-Vorhang

Herr Ghazi, kamen die Modernisierungsarbeiten am AquaDom für Sie überraschend?

Bei einer Million Liter Wasser, also einem Gewicht von 1.000 Tonnen, entsteht am Boden des Aquariums ein enormer Druck, erschwerend hinzu kommt der Salzgehalt des Wassers von 3,5 Prozent. Da ist nach 15 Jahren Dauerbetrieb eine gewissen Materialermüdung völlig normal. Im unteren Bereich bildeten sich tatsächlich leichte Undichtigkeiten und es trat Feuchtigkeit aus. Es bestand also Handlungsbedarf.

Wie lief die Modernisierung im Detail ab?

Vor Beginn der Evakuierung brachten Industriekletterer einen Schutzfolie am Acrylzylinder an, die das empfindliche Material vor Austrocknung schützen sollte. Auch ein bedruckter Sichtvorhang für die Hotelgäste wurde installiert. Anschließend haben wir die Fische umgesiedelt und das Aquarium trockengelegt. Für die anstehenden Erneuerungsmaßnahmen am Zylinder wurde eine umlaufende Plattform installiert. Darüber hinaus haben wir im Zuge der Arbeiten das Acrylglas poliert, Kratzer entfernt und umfangreiche Instandsetzungsmaßnahmen an der gläsernen Aufzugsanlage durchgeführt.

An welcher Stelle war das Team besonders gefordert?

Nun, die Entnahme der Fische musste natürlich mit aller Vorsicht geschehen, um den Tieren unnötigen Stress zu ersparen. Unser Team aus Tauchern, Aquaristen und Biologen hat dies erfolgreich gemeistert, denn niemand kennt unsere schwimmenden Gäste und ihre Gewohnheiten so gut wie sie. In ihrem neuen Domizil stand für die großen Fische ein riesiges Becken bereit sowie über 20 Tanks für die kleinen und mittleren Exemplare. Etwas knifflig wurde es beim Abkleben der gläsernen Hülle mit Folie, um mögliche Risse zu vermeiden. Acrylglas ist ein sensibles Material, das mit der Zeit Wasser aufnimmt. Trocknet es dann zu schnell aus, können selbst in den bis zu 20 Zentimeter starken Glaswänden Sprünge entstehen.

Aber die eigentliche Aufgabe stand da noch bevor?

Stimmt, die filigranste Arbeit bestand im vorsichtigen Entfernen und Erneuern der vorhandenen Silikondichtung durch einen Spezialisten aus den USA sowie dem Einbau einer zusätzlichen Sekundärdichtung. Bei der letzteren handelt es sich um eine Weltneuheit, die extra für diesen Zweck von einer deutschen Spezialfirma entwickelt wurde. Für den Zugang zum Beckenboden von oben wurde mit viel Aufwand eine Hängerüstung installiert.

Welches Fazit würden Sie zum Ablauf des Projekts ziehen?

Besonders freut es mich, dass wir es geschafft haben, die  Maßnahmen vornehmlich in gutem Einvernehmen mit den Radisson Blu Hotel und den benachbarten Restaurants durchzuführen. Durch entsprechende Rücksichtnahme und einem guten Timing bei der Durchführung geräuschintensiver Arbeiten wie Bohren oder Schleifen sowie dem Goodwill der betroffenen Mieter herrschte die meiste Zeit über ein angenehmes Miteinander. Mittlerweile sind alle Arbeiten abgeschlossen und die Fische kehren nach und nach zurück. Wann der AquaDom wieder öffnet, ist derzeit coronabedingt noch unklar. Die zukünftigen Besucher dürfen aber schon jetzt auf einen Neuzugang gespannt sein: Zwei majestätische Napoleonfische ziehen ein. Sie gehören zu den größten Riffbewohnern und erreichen in der freien Natur ein Gewicht von bis zu 200 kg.

Flyer zum Umbau des AquaDoms (PDF)
AquaDom-Folierung-mit-Fischen