INTERVIEW

Kein Business as usual

Für die Vermarktung von Immobilien wird oft ein großer Aufwand betrieben. Genauso wichtig ist es, dass man sich um die bestehende Klientel kümmert und für deren Wohlbefinden sorgt.

Zwischen Mieterdialog und wertmäßiger Entwicklung einer Immobilie besteht ein unmittelbarer Zusammenhang. Dies gilt im Besonderen, wenn umfangreiche Baumaßnahmen mit nicht immer angenehmen Begleitumständen einhergehen. Um hier bestmögliche Transparenz gegenüber den Mieterinnen und Mietern zu schaffen, setzt Union Investment auf offene Kommunikation und intensive Betreuung.  Wie so etwas gelingen kann, erklärt der beauftragte Mieter-Koordinator Amir Jusufbegovic, Geschäftsführer von Lighthouse Property Consulting.

Amir Jusufbegovic ist ein ausgewiesener Immobilien-Experte und verfügt über eine langjährige Erfahrung in der technischen Projektleitung

Herr Jusufbegovic, in den letzten vier Jahren wurden im DomAquarée diverse Sanierungsmaßnahmen durchgeführt. Wie würden Sie in diesem Zusammenhang Ihren persönlichen Part beschreiben?

Durch die Arbeiten waren verschiedene Gruppen im Gebäude zum Teil intensiv betroffen: Wohnungs- und Büromieter, die Betreiber der gastronomischen Einrichtungen und der Shops, das SEA LIFE Berlin, das DDR Museum sowie das Radisson Collection Hotel mit seinen Gästen. Infolge gab es hochgradig individuelle Einschnitte in die gewohnte Nutzung. Allein im Bereich der Wohnungen ergab sich eine Vielzahl von … ich nenne es mal „Mikroprojekten“, denn ein und dieselbe Sanierungsmaßnahme wirkt sich auf die unterschiedlichste Art aus. Dazu gehörten zum Beispiel die Verabredung von geeigneten Ausweichunterkünften für Familien mit Kindern, das Sicherstellen spezieller Ernährung oder die Durchführung von Luftmessungen durch Sachverständige aus besonderen medizinischen Gründen. Wir haben also die Wünsche der Mieter ernst genommen, kaum einen Aufwand gescheut und größten Wert auf die persönlichen Bedürfnisse gelegt.

Wie haben die betroffenen Mieter auf Sie reagiert?

Ich würde sagen – anfangs etwas überrascht, dann eher erfreut und sehr kooperativ. Durch die Fülle ihrer eigentlichen Aufgaben bleiben dem Property Management und der Bauleitung nicht die nötige Zeit, um sich intensiv mit spezifischen Belangen zu beschäftigen. Durch die sehr frühzeitige persönliche Ansprache und laufende Betreuung hatten die Betroffenen ausreichend Zeit, sich mit Art und Umfang der Maßnahme zu befassen und mit mir eine Lösung unter Wahrung der Verhältnismäßigkeit zu erarbeiten. Der ständige Austausch mit den Ausführenden und der daraus resultierende tiefe Einblick in die komplexen Prozesse auf den Baustellen, gepaart mit dem Wissen aus dem Nutzerumfeld, hat mir sehr geholfen, Widerstände abzufedern und in Verständnis umzuwandeln. Wenn man die Mieter als Experten in eigener Sache einbindet, erhält man wertvolle Informationen aus erster Hand.

Wie erklären Sie sich das generell positive Feedback?

Bei möglichen Konflikten geht es um schnelle Reaktionszeiten und Entscheidungen. Dabei muss man die Auswirkungen von Maßnahmen für alle Beteiligten verstehen, um negative Effekte zu minimieren. Entscheidend ist es, Vertrauen aufzubauen und gemeinsam sowohl die tatsächlichen Zwangspunkte als auch die Spielräume herauszuarbeiten. Ich hatte nie den Auftrag zur bloßen Beschwichtigung, es ging immer darum, auf Augenhöhe zu kommunizieren und ausgewogene Lösungen für beide Seiten anzubieten. Dazu gehörte allerdings auch, nicht nur den Nutzen, sondern die Notwendigkeit bestimmter Entscheidungen unmissverständlich zu vermitteln. Im Rahmen eines klar definierten Rahmens hatte ich die Möglichkeit, mit den Mietern direkt und nicht selten spontan und individuell verbindliche Vereinbarungen zu treffen.

Was hat Sie in der Zusammenarbeit mit den Mietern besonders beeindruckt?

In erster Linie die professionelle Einstellung meiner Gesprächspartner. Die Zeit des permanenten Wandels, sei es durch die Folgen der Digitalisierung, sei es durch die pandemische Lage, prägt auch das private und berufliche Leben und scheint die Bereitschaft zu flexiblem Handeln erhöht zu haben. Eine pauschale Opposition, Maximalforderungen oder unreflektiertes Anspruchsdenken sind mir selten begegnet. Im Gegenteil: Das gemeinsame Austarieren, was wichtig, dringend und notwendig ist, stand immer im Vordergrund.

Ihr persönliches Fazit?

Es war ein außergewöhnliches Mandat. Statt einer ganzheitlichen klassischen Projektsteuerung hatten wir es hier mit einer Vielzahl von fragmentierten Aufgabenstellungen zu tun, deren Insellösungen wiederum dem großen Ganzen dienten. Eine geglückte Kommunikation baut Konflikten vor und trägt zur Wertschöpfung bei. Insofern bin ich mir sicher, dass sich unser dauerhafter Einsatz für größtmögliche Mieterzufriedenheit auch langfristig auszahlen wird.

Wo umfangreich modernisiert wird, ist professionelles Projektmanagement gefragt