INTERVIEW

Das Humboldt Forum auf der Zielgeraden

Das Humboldt Forum wird in mehreren Phasen das Gebäude und den nahen Stadtraum öffnen und seinen kulturellen Betrieb auf rund 30.000 Quadratmetern sukzessive entfalten.

Das Humboldt Forum ist offen. In einem Festakt haben Kulturstaatsministerin Monika Grütters, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller und Generalintendant Hartmut Dorgerloh gemeinsam auf der Nordseite des Humboldt Forums das Publikum begrüßt. Nach mehr als zehnjähriger Bauzeit wird nun ein neues Kapitel aufgeschlagen. Zahlreiche Angebote und künstlerische Programme wie auch die ersten großen Sammlungspräsentationen des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst folgen in den kommenden Monaten. Lesen Sie dazu ein Interview mit Prof. Dr. Hartmut Dorgerloh, Generalintendant.

Bild Prof. Dr. Dorgerloh Humboldt Forum

Prof. Dr. Hartmut Dorgerloh, Generalintendant Humboldt Forum Berlin

Herr Prof. Dr. Dorgerloh, coronabedingt hat sich die Eröffnung des Humboldt Forums mehrfach verzögert. Wie zufrieden sind Sie mit dem aktuellen Stand der Dinge? 

Ich bin sehr froh darüber, dass wir nun auf der Zielgeraden sind. Am 20. Juli konnten wir das Haus endlich für Besucherinnen und Besucher öffnen und ich bin sehr gespannt darauf, wie das Publikum die Angebote annehmen wird. Es gibt noch viel zu tun, auch danach, denn wir eröffnen ja erst mal „nur“ zwei von vier Etagen. Im zweiten und dritten Geschoss läuft die Einrichtung der Ausstellungen auf Hochtouren und es wird auch noch gebaut, zum Beispiel auf dem Dach im Bereich des künftigen Restaurants. Das ist eine logistische Herausforderung, aber jetzt freuen wir uns auf das Erreichen des ersten großen Meilensteins.

Welche Teile der Ausstellung werden die Besucher als Erstes zu sehen bekommen? Und wie kommt man an die Tickets?

Am 20. Juli eröffneten gleichzeitig sechs Ausstellungen von insgesamt drei Partnern: Wir präsentieren im Erdgeschoss zum einen die Ausstellungen zur Geschichte des Ortes mit Schlosskeller, Videopanoramaraum und Skulpturensaal. In der Passage und im angrenzenden Treppenhaus wirft die Präsentation Einblicke. Die Brüder Humboldt Schlaglichter auf das Wirken unserer Namensgeber. Die Sonderausstellung schrecklich schön – Elefant. Mensch. Elfenbein nähert sich der Beziehung von Mensch und Elfenbein und in der zweiten Sonderausstellung Nimm Platz! Können Kinder zwischen drei und zehn Jahren die Kulturtechnik des Sitzens spielerisch erkunden. Im ersten Obergeschoss eröffnet die Ausstellung der Humboldt-Universität zu Berlin, Nach der Natur, die anhand einer Vielzahl von Stimmen aus der wissenschaftlichen Forschung die gewaltförmigen Auswirkungen menschengemachter Umwelt-veränderungen thematisiert. Die interaktive Ausstellung BERLIN GLOBAL von Kulturprojekte Berlin und Stadtmuseum Berlin zeigt Verbindungen zwischen Berlin und der Welt. Tickets kann man online buchen, erst mal pandemiebedingt aber jeweils nur für eine Ausstellung. Man hat also die Qual der Wahl. Der Eintritt ist in den ersten 100 Tagen übrigens auch für BERLIN GLOBAL und die Sonderausstellungen kostenlos.

Welche weiteren Öffnungsschritte sind geplant?

In einem weiteren Schritt öffnen am 22. September 2021 die ersten Sammlungspräsentationen des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst. In der ersten Jahreshälfte 2022 schließlich steht den Besuchern das gesamte Haus mit all seinen Angeboten offen.

Welche Angebote an die Berliner und Berlinbesucher machen das Humboldt Forum besonders interessant?

Ich hoffe, alle oben erwähnten – zumindest sollte für jede und jeden etwas dabei sein. Zudem starten in den kommenden Monaten zahlreiche Angebote und Programme – von Ausstellungen und Projektionen über Führungen, Vorträge und Diskussionen bis hin zu künstlerischen Interventionen, Tanz und Film. So beginnen im August das Open-Air-Festival „Durchlüften“ im Schlüterhof und die diversen Formate der kulturellen Bildung in den Werkräumen.

Innenhof-Hunboldt-Forum

Passage im Humboldt Forum Berlin

Was begeistert Sie persönlich an dem neu geschaffenen „Zentrum der Kulturen“? 

Dass es eben ein Forum ist, ein Ort der Begegnung, des Austausches, des Zuhörens und des Voneinander-Lernens. Und dies an einem einzigartigen Ort in der Mitte Berlins, an dem die Geschichte auf die Gegenwart trifft – was sich bereits in der Architektur zeigt. Ich spreche übrigens gerne von einem Zentrum der Kulturen und(!) der Wissenschaft, nicht zuletzt, weil ja die Humboldt-Universität einer unserer Partner ist. 

Inwiefern wird Berlin davon profitieren?

Zunächst profitieren Berliner und Berlinerinnen. Für die Stadtgesellschaft ist mit dem Humboldt Forum ein markanter Ort und ein neuer Stadtraum entstanden, der mit seinen Qualitäten zum Besuch, Treibenlassen und Verweilen einlädt. Berlin hat sich als Kultur- und Wissenschaftsstandort weltweit einen exzellenten Ruf erworben. Und ich denke, auch wir werden dazu beitragen, das Angebot für Berlinerinnen und Berliner sowie für Menschen, die hierher ziehen oder reisen wollen, ob national oder international, noch attraktiver zu machen.

Sehen Sie in Bezug auf ein erfolgreiches Standort-Marketing gemeinsame Interessen mit Ihren Nachbarn in der historischen Mitte? 

Eindeutig ja! Nicht nur, um die langfristigen Folgen der Pandemie aufzufangen, sondern um den Standort nachhaltig attraktiver zu machen. Wir sollten Formen der Netzwerk-Bildung, Zusammenarbeit und Kommunikation entwickeln – in direkter Nachbarschaft, aber auch mit Institutionen wie der Urania oder dem Haus der Kulturen der Welt und vielen anderen. 

Wie beurteilen Sie generell die zukünftige Entwicklung des gesamten Standorts rund um das Berliner Stadtschloss?

Sehr positiv. Bereits was in den letzten Jahren hier alles entstanden ist oder saniert wurde, ist sehr beachtlich: Staatsoper, Staatsbibliothek, James-Simon-Galerie, PalaisPopulaire, Barenboim-Said-Akademie mit Pierre Boulez Saal. Die Friedrichwerdersche Kirche wurde wiedereröffnet, am Pergamon Museum wird gebaut, das Deutsche Historische Museum saniert und am Petri-Platz entstehen das House of One und das Archäologische Zentrum. Zwischen Spree und Fernsehturm werden die Freiflächen neu gestaltet. Auch das Flussbad bleibt ein Thema. Bauakademie und Freiheits- und Einheitsdenkmal kommen. Auch das Marinehaus am Märkischen Museum oder die neue Galerie Fotografiska im Tacheles werden Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Und mit der neuen U5 entstehen auch neue Verbindungen. Soeben hat vor unserem Haus die U-Bahn-Station Museumsinsel eröffnet, man ist nun also noch schneller in Berlins historischer Mitte – ein zentraler Faktor für die Weiterentwicklung unseres Standorts.

  

Innenhof Humbolt Forum mit Gastro

Der Schlüterhof des Humboldt Forums lädt die Besucher zum Verweilen ein.