Berliner Schloss auf der Zielgeraden

INTERVIEW

Wilhelm von Boddien, Geschäftsführer des Fördervereins für den Wiederaufbau des Berliner Schlosses

Herr von Boddien, das Stadtschloss ist ins Stadtbild zurückgekehrt. Wie zufrieden sind Sie mit dem aktuellen Stand der Entwicklung?

Sehr zufrieden, wir haben mehr Details des alten Schlosses rekonstruieren können, als ursprünglich vom Deutschen Bundestag beschlossen: drei Portale des Eosanderhofs und auch die städtebaulich so wichtige Kuppel. Im Inneren wird es ein moderner Bau werden. Aber auch mit der Option für zukünftige Generationen, bedeutende Raumfluchten des alten Schlosses wiederherstellen zu können.

Das Projekt lebte von Anfang an von der Bürgerbeteiligung. Hatten Sie mit einer derartigen Unterstützung gerechnet?

Anfangs glaubte kaum jemand, dass wir die ursprünglich geplanten 80 Millionen Euro an privaten Spenden für die historischen Fassaden zusammenbekommen würden. Diese Summe ist mittlerweile längst überschritten. Dass immer noch Spenden nötig sind, liegt allein daran, dass der Förderverein das Ziel inzwischen auf 105 Millionen Euro erhöht hat.

Bedauern Sie, dass der Wunschtermin für die Einweihung im Humboldtjahr nicht zustande gekommen ist?

Nein, das Haus war perfekt geplant und zeitlich genau eingetaktet. Dann kam die Bauhochkonjunktur, unter der nun die ganze Branche leidet. Es gibt einfach für die riesige Nachfrage nicht genug Arbeitskräfte. Nur so erklärt sich die Verzögerung bei der Einweihung. Der Stiftungsrat des Humboldt Forums im Berliner Schloss hat nun beschlossen, das Humboldt Forum etappenweise ab September 2020 zu eröffnen. Jetzt gilt es, noch einmal alle Kräfte zu bündeln, aber der neue Eröffnungstermin erscheint mir sehr realistisch.

 

Wie geht es anschließend weiter und was wird die Besucher zukünftig hinter den barocken Fassaden erwarten?

Kunst und Kultur aller Kontinente dieser Welt treten im Humboldt-Forum in einen Dialog miteinander. Die Besucher sollen über die Zusammenhänge der Welt aufgeklärt werden, nicht zuletzt um damit dem Vermächtnis seiner Namensgeber, Alexander und Wilhelm von Humboldt, Ausdruck zu verleihen. Beide sorgten für ein neues Bildungsverständnis und gaben dazu auch eine realistische Sicht auf die Welt. Das Humboldt-Forum wird aber weit mehr sein als das Museum der außereuropäischen Kulturen: Restaurants und Cafés, eine Dachterrasse mit einem Panoramablick bis zum Brandenburger Tor, Ausstellungen, Konzerte, Lesungen und Konferenzen ergänzen das Angebot. Es bietet alles, um die Kulturen der Welt kennenzulernen und besser zu verstehen. Und nur wer versteht, entwickelt ein Gespür für universelle Prozesse wie z. B. Globalisierung und Migration. Humboldt zugeschrieben wird die Aussage: „Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die derjenigen Leute, welche die Welt nie angeschaut haben!“ Und damit sind wir mitten in Deutschland.

Wie empfinden Sie angesichts der Erfolgsgeschichte dieses epochalen Wiederaufbauprojektes die Kritik einer mangelnden architektonischen Eleganz?

Die wird bislang nur von den orthodoxen Schlossgegnern vorgetragen. Oder von Leuten, die sich nicht damit auseinandersetzen wollen – und auch noch nie im Gebäude waren. Auch das Innere des Humboldt Forums wird wundervoll. Aber was als schön empfunden wird, ist immer abhängig von der Sicht des Einzelnen. Wer das Humboldt Forum und das Schloss nicht mag, wird nicht zu bekehren sein. Die Zahl dieser Gegner nimmt aber rapide ab, nachdem viele anerkennen, wie attraktiv das Schlossäußere geworden ist.

Wie wird sich die Umgebung um das Berliner Schloss – Humboldtforum weiter verändern?

Durch das Schloss – Humboldt Forum wird die Mitte Berlins deutlich aufgewertet. Hoffentlich kann der Berliner Senat, sich dazu entschließen, das Gebäude mehr in ein historisch nachempfundenes Umfeld einzubetten. Dringend erforderlich ist nun, dass man ein tragfähiges Konzept für die Wiederbebauung der alten Mitte Berlins verabschiedet, die momentan unter der Grünanlage des Marx-Engels-Forums beerdigt ist.

Welche Chancen bietet das Humboldt Forum für die Stadt Berlin?

Der Tourismus wird weiter zunehmen, Berlin wird attraktiver. Das wirkt sich unmittelbar auf die Investitionen in der Stadt aus. Wenn die Verwaltung aus ihrer planerischen Lethargie erwacht, kann noch der große Wurf gelingen.

Was begeistert Sie persönlich an dem Projekt und dem damit neu geschaffenen „Zentrum der Kulturen“?

Einfach alles, weil es Vergangenheit und Zukunft positiv vereint!